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Diamond

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Dienstag, 23. April 2013, 12:42

Play to win

Von mir übersetzt aus dem Englischen.

Spiele um zu gewinnen! Teil 1

"Spiele um zu gewinnen!" ist eines der wichtigsten und am weitesten missverstandenen Konzepte aller wettkampfbetonten Spiele. Die traurige Ironie darin ist, dass diejenigen die dieses Konzept noch nicht verstehen, höchstwahrscheinlich die sich daraus ergebenden Folgerungen als falsch ansehen werden. Um ehrlich zu sein, würde ich diesen Artikel einer früheren Version von mir schicken, würde er Sie auch als falsch abstempeln. Offensichtlich sind diese Überlegungen etwas, die man sich über Erfahrung aneignen muss, auch wenn ich hoffe dass sich zumindest einige Leser mir auch so glauben werden.

Wir begrüßen: den Scrub!
In Umfeld der Street Fighter Wettbewerbe gibt es ein Wort für Spieler die nicht gut sind: "scrub". Jeder beginnt als ein scrub -- es dauert etwas bis man das Spiel ausreichend kennt und bis man weiß wie man's anstellen muss. Allerdings gibt es auch den Trugschluss, dass man durch ledigliches Spielen weiter das Spiel "lernt" und am Ende einer der besten Spieler wird. In Wahrheit hat der "scrub" aber mehr geistige Hürden zu überwinden als die, die das Spiel ihm bietet. Der Scrub hat das Spiel verloren, noch bevor es angefangen hat. Er hat das Spiel verloren noch bevor er seinen Charakter ausgesucht hat. Er hat das Spiel sogar verloren noch bevor feststeht, welches Spiel gespielt wird. Sein Problem? Er spielt nicht um zu gewinnen.

Der Scrub selbst würde sich von dieser Aussage beleidigt fühlen, denn für gewöhnlich glaubt er, dass er spielt um zu gewinnen. Aber letzten Endes ist er bei einem komplizierten Gebilde selbstgeschaffener Regeln gebunden, die ihn davon abhalten, wirklich mitzumischen. Diese selbstgeschaffenen Regeln varieren natürlich von Spiel zu Spiel, aber ihr Charakter bleibt konstant. Bei Street Fighter wird zum Beispiel eine große Palette von Strategien und Taktiken als "billig" angesehen. Diese "Billigkeit" sind wirklich das Mantra des Scrubs. Etwa jemand zu werfen wird als "billig" abgestempelt. Ein Wurf ist ein besonderer Move, der einen blockenden Gegner zu Boden wirft und schädigt, selbst wenn der Gegner sich gegen alle anderen Attacken verteidigt. Der komplette Sinn hinter dem Wurf ist, einen Spieler besiegen zu können, der lediglich da sitzt und blockt. Es ist für das Spiel ein wichtiger Bestandteil und es ist beabsichtigt, dass es diese Möglichkeit gibt. Dennoch hat der Scrub seine eigene Regel gestrickt, nach der er komplett unverwundbar sein sollte, wenn er blockt. Er möchte, dass das Blocken eine Art magischer Schild ist, der ihn unbegrenzt schützt. Warum? Nun, nach diesen Gründen zu suchen ist aussichtslos, denn die Annahme allein schon ist ziemlich abwegig.

Du wirst keinen klassischen Scrub sehen, der seinen Gegner fünfmal hintereinander wirft. Aber warum nicht? Was wenn genau dies strategisch die beste Methode ist um den Gewinn davonzutragen? Wir sind hier auf das erste große Problem gestossen: Der Scrub ist nur bereit innerhalb seiner selbstgesteckten Regeln zu spielen. Diese Regeln können unheimlich willkürlich sein. Wenn du einen Scrub besiegst, weil du nur Fernkampf-Attacken verwendest, ihn auf Abstand hälst und daran hinderst, an dich heranzukommen... dann ist das billig. Wenn du ihn wiederholst wirfst, ist das ebenfalls billig. Wenn du nur da sitzt und 50 Sekunden lang blockst, ist das billig. Praktisch alles was du tust, um am Ende zu gewinnen ist ein guter Kandidat um nachher als billig abgestempelt zu werden.

Etwa die gleichen Abfolge von Moves wieder und wieder hintereinander auszuführen ist eine weitere Methode um sicher als billig bezeichnet zu werden. Es trifft das Problem direkt ins Herz: Warum kann der Scrub nicht etwas schlagen, das so offensichtlich und einfach ist, wie ein einzelner Move der stetig wiederholt wird? Ist er solch ein schlechter Spieler, dass er dies nicht kontern kann? Und wenn der Move wirklich so gut und schwer zu kontern ist, wäre Ich dann nicht ein Idiot ihn nicht zu nutzen? Der erste Schritt um ein weltklasse Spieler zu werden ist die Erkenntnis, dass "Spiele um zu gewinnen!" sagt, dass du genau das tun musst, was deine Gewinnchancen maximiert. Das Spiel selbst kennt keine Regeln wie "Ehre" oder "billig". Es kennt nur Sieg und Niederlage.

Eine beliebte Ausrede der Scrubs ist es, dass diese Spielweise bei der man um jeden Preis gewinnen möchte, langweilig ist oder keinen Spaß macht. Lasst uns dafür zwei Gruppen von Spielern betrachten. Eine Gruppe guter Spieler und eine bestehend aus Scrubs. Die Scrubs werden "zum Spaß" spielen, und nicht die Randbezirke des Spiels ausloten. Sie werden nicht die effektivsten Taktiken finden und diese erbarmungslos ausnutzen. Die guten Spieler dagegen schon. Sie werden unglaublich starke Taktiken und Spielweisen herausfinden. Und während sie mehr spielen, werden sie gezwungen sein, gegen diese Spielweisen Konter zu finden. Die meisten Taktiken die zunächst als unschlagbar erscheinen haben am Ende doch Konter, auch wenn diese oftmals unscheinbar und schwer zu finden sind. Die Konter-Taktik hält den Gegenspieler davon ab, die zuvor unschlagbare Taktik einzusetzen. Zumindest bis er einen Konter für den Konter findet - und damit seinen Gegenspieler wieder mit dieser ursprünglich überlegenen Taktik schlagen kann.

Dabei ist zu beobachten wie die guten Spieler höhere und höhere Ebenen des Spiels erreichen. Sie haben den "billigen Kram" gefunden und schamlos ausgenutzt. Und sie wissen wie man diesem Kram beikommt. Sie wissen wie man den anderen davon abhält, diesen Kram zu stoppen, sodass sie ihn weiterhin nutzen können. Und gewöhnlicherweise lassen die neu gefundenen Taktiken die zuvor "billigen" Taktiken wieder fair und das Spiel damit als vollständig erscheinen. Oft hat in Kampfspielen ein Charakter etwas dass so gut ist, dass es unfair ist. Na gut, gestehen wir es ihm zu. Mit Verstreichen der Zeit kommt ans Licht, dass andere Charakter noch stärkere und unfaire Taktiken haben. Jeder (gute) Spieler wird versuchen das Spiel in eine Richtung zu steuern, die ihm zu gute kommt - ganz wie Großmeister in Schach versuchen ihre Gegner in Situationen zu bringen in denen sie schwach sind.

Diamond

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2

Dienstag, 23. April 2013, 12:43

Sehen wir uns wieder die Scrubs an. Sie haben keinen blassen Schimmer von all der Tiefe von der wir eben geredet haben. Ihr Standpunkt ist im Grunde dass das simple Hauen auf die Knöpfe mit wenig Gedanken in Bezug auf Strategie mehr Spaß macht. Oberflächlich wirkt dieser Standpunkt zumindest einigermaßen vertretbar, da ihre Spiele mehr raufboldig aussehen werden, als die zweier sehr guter Spieler, bei denen alles sehr exakt und durchdacht ist. Aber bei näherer Betrachtung sieht man auch, dass letzere eine große Menge Spaß auf einem Level haben, der dem Scrub sich nicht einmal vorstellen kann. Ein Sieg durch hastig zusammengeworfene Moves davonzutragen ist nicht ansatzweise so erfüllend wie einer, bei der man die Gedanken seines Gegners zu einem Grad liest, bei der man jeden seiner Schritte vorhersehen, und jeden seiner Moves kontern kann. Gar mehr noch, sogar jeden Konter kontert.

Könnt ihr euch vorstellen, was passieren würde wenn diese beiden Gruppen von Spielern aufeinander stossen? Die Experten werden die Scrubs absolut auseinander nehmen, mit einer Auswahl an Taktiken, die die Scrubs höchstwahrscheinlich noch nie gesehen haben, geschweige denn jemals gezwungen waren, dagegen anzukämpfen. Das liegt daran, dass die Scrubs schlicht nicht das gleiche Spiel gespielt haben. Die Experten haben das Spiel gespielt wie es da ist, während die Scrubs ihre eigenen ungeschriebenen "Hausregeln" und damit ihr eigenes Spiel geschaffen haben.

Aber der Scrub ist von noch mehr Problemen geplagt. Er redet gerne und viel von "Skill" und wie er welchen hat, während andere Spieler -- meist diejenigen die ihn problemlos schlagen -- diesen nicht besitzen. Das Problem ist, was "Skill" letztlich ist. In Street Fighter sehen Scrubs oftmals Combos als eine Messgröße für Skills an. Beispielsweise eine Abfolge von Moves die unblockbar ist, wenn der erster Move trifft. Diese Combos können sehr kompliziert und schwer durchzuführen sein. Aber auch einzelne Moves können Skill benötigen, wenn es nach dem Scrub geht. Der "Dragon Punch" oder "Uppercut" in Street Fighter wird durchgeführt, indem man den Joystick in Richtung seines Gegners bewegt, dann runter, dann diagonal nach unten während man den Button für Schlagen drückt. Die komplette Bewegung muss innerhalb eines Sekundenbruchteils durchgeführt werden. Und auch wenn man etwas Spielraum hat, so muss sie doch ziemlich akkurat durchgeführt werden. Egal welchen Scrub man fragt, der Dragon Punch wird als "skill move" bezeichnet werden. Erst letzte Woche habe ich gegen einen Scrub gespielt, der sogar vergleichsweise gut war. Das heißt, er kannte die Regeln des Spiels gut, er wusste welcher Char gegen welchen gut ist und was man in den meisten Situationen zu tun hat. Aber sein Gespinst selbstgemachter Regeln hielt ihn davon ab wirklich um den Sieg zu spielen. Er beschwerte sich darüber, dass ich ihn mit billigen Moves schlug, während er viele schwere dragon punches durchführte. Er meckerte, als ich ihn fünfmal in Folge warf: "Ist das alles was du kannst? Werfen?" Ich gab ihm den besten Ratschlag den er wohl jemand hören will: "Spiele um zu gewinnen, nicht um schwere Moves vorzuführen". Das war ein großer Moment im Leben dieses Scrubs: Er konnte entweder einfach die Niederlage hinnehmen und weiter in dem selbstgebauten Gefängnis in seinem Kopf leben, oder sich damit auseinandersetzen warum er verloren hat, seine Regeln in die Tonne treten und ein besserer Spieler werden.

Ich war noch nie auf einem Turnier auf dem es einen Preis für den Gewinner gab, und zudem einen Preis für den Spieler der die meisten schweren Moves vorgeführt hat. Ich habe auch noch nie gesehen, dass ein Preis für Spieler gab, die "innovativ" spielen. Viele Scrubs sind davon besessen: "Der Typ hat ja nichts neues gemacht, also kann er nicht gut sein!" Oder "Person X hat diese Technik erfunden, und Person Y hat sie nur abgekupfert." Nun, diese Person Y kann durchaus 100mal besser sein als X, aber es scheint nicht darauf anzukommen. Und wenn Y das Turnier gewinnt und X nur eine vergessene Fußnote ist, was wird der scrub sagen? Das Y keinen skill hat natürlich.

ThePainTrain

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3

Dienstag, 23. April 2013, 12:55

Toller Beitrag :thumbup: Den kann man jetzt nicht 1 zu 1 auf Starcraft beziehen, ist aber dennoch informativ und ich bin sowieso ein riesen Fan solcher Thesen. Ich lese mir sowas gerne durch :P

Diamond

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4

Dienstag, 23. April 2013, 13:00

Ich denk bei dem Artikel bei jedem zweiten Satz: "IdrA, fucking IdrA".

KbHZorrO

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5

Dienstag, 23. April 2013, 13:35

Hast echt mein Respekt, ich hätte allein mit der Verständnis des englischen Textes Probleme aber ihn dann noch zu übersetzen wäre für mich ein Ding der Unmöglichkeit
Hardstyle und Starcraft II was will man mehr ? :D

6

Dienstag, 23. April 2013, 13:54

Schoen gemacht, habe das Buch auch. Aber irgendwie doch nie komplett durchgelesen <.<

Aber fuer jeden Nerd zu empfehlen ;D

7

Dienstag, 23. April 2013, 19:44

Ich ertappe mich immer wieder wie ich mir selber auch solche einschränkenden Regeln setze. Und es ist nicht einfach sich davon zu überzeugen das diese häufig nicht sinnvoll sind. Umso lustiger ist es wenn man auch andere dabei erwischt .^^


( z.B. das ich im zvz ungerne Mutas spiele ... Bakuri hat mich mit der Nase drauf gestoßen , mittlerweile bin ich wieder am lernen. )

Diamond

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8

Dienstag, 23. April 2013, 20:03

@Kleinkram: das war der Hauptgrund warum ich mir die Stunde Zeit genommen habe, um das zu übersetzen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder von uns damit schon Erfahrungen machen musste ("für sowas geb ich kein gg!") und so kann ich nun immer den Link posten :D.

9

Dienstag, 23. April 2013, 20:05

hehe sehr gut damit hast du ne mächtige waffe geschaffen ;)

KbHZorrO

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10

Dienstag, 23. April 2013, 20:47

@Kleinkram: das war der Hauptgrund warum ich mir die Stunde Zeit genommen habe,
Also bei mir wäre es wohl eher ne Woche gewesen :D Ach ja ich und die Sprachen, werden nie Freunde...
Hardstyle und Starcraft II was will man mehr ? :D

ThePainTrain

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11

Dienstag, 23. April 2013, 22:33

Ich schreibe sogut wie nie GG, wenn es nicht ein 45 minuten macro game war...Dafür bin ich zu tryhard :P

12

Dienstag, 23. April 2013, 23:28

Kann da schon einige Paralelen erkennen :D
Die Rosine

ThePainTrain

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13

Dienstag, 23. April 2013, 23:32

8o

14

Freitag, 2. August 2013, 12:51

Sehr guter Artikel, danke für die Übersetzung!

15

Samstag, 3. August 2013, 10:14

Dadurch bekommt man einfach einen total andere Sichtweise auf jede Art von Spiel sei es Starcraft oder was anderes :)
Vielen Dank fürs Übersetzen..
In den allermeisten Fällen sitzt der Bug etwa 40 cm vor dem Monitor!